Barsinghausen
Ein tödlicher Fenstersturz zu Mozart-Klängen Eckerde (köp). Der Traum eines jeden Künstlers – ausverkauftes Haus am Premierentag. Für die Sänger und Musiker von „Oper auf dem Lande“ ist dieser Traum auf dem Rittergut Eckerde I gestern in Erfüllung gegangen.
Mit launigen Worten führte Professor Hans Peter Lehmann in der Rolle des Mozart-Librettisten Lorenzo da Ponte die rund 250 Premierenbesucher durch das Programm. Den Auftakt machte ein Auszug aus Così fan tutte. Als leicht dekadente Mitglieder der Tennis-, Golf- und Freizeitgesellschaft lässt Regisseurin Vroni Kiefer das Personal der Wolfgang Amadeus Mozart-Oper in ihrer Inszenierung auftreten. Willkommene Opfer für die Intrige, die der zynische Don Alfonso (Michael Humann) und das Dienstmädchen Despina spinnen. Herrlich die Sopranistin Anna Evans als genervte Angestellte der leicht überkandidelten Schwestern Fiordiligi (Rahel Lichdi) und Dorabella (Susan Jebrini). Nach Happyend und anschließender Pause ging es mit einem Liederzyklus weiter, der wegen der drohenden dunklen Wolken nicht auf der Amphoreninsel, sondern im alten Kuhstall stattfand. Hierbei wurden die Sänger von einem Streicherquartett begleitet.
Ein Auszug aus Don Giovanni bildete den Abschluss. Dabei inszenierte Vroni Kiefer diesmal die Geschichte eher in einem Ambiente, wie es auch Mozart und da Ponte im Sinn gehabt haben könnten. Allerdings wird der ewige Verführer (Dietmar Sander stimmgewaltig als Don Giovanni) am Ende nicht von der Erde verschlungen, wie es im Original-Libretto steht, sondern er stürzt bühnenwirksam aus einem Fenster im ersten Stock direkt vor die Füße des überraschten Publikums.
Lange anhaltender Applaus, auch für das zwölfköpfige Festivalorchester unter Leitung von Matthias Wegele, entlohnte die Künstler und das Team um Vroni Kiefer für ihre Mühen.
Große Anstrengungen hatten im Vorfeld auch die Hausherren des Ritterguts, Anno und Karin von Heimburg, unternommen, um zum Gelingen der zweiten Auflage von „Oper auf dem Lande“ auf ihrem Anwesen beizutragen. Eine neue Sanitäranlage musste gebaut werden. Rund ein Drittel der Kosten übernahmen die Eigentümer selbst. Der Rest wurde durch die Klosterkammer, die Sparkasse, die Region und das Amt für Landentwicklung getragen. Am Ende haben sich die Mühen für alle Beteiligten gelohnt. „Die Einheit der Künste in dieser gestalteten Natur zu erleben, die ihrerseits eine Gartenkunst ist, das ist ein Genuss für alle Beteiligten – Künstler wie Publikum“, resümierte Professor Hans-Peter Lehmann.