Barsinghausen

„Hardcore Residenz“ – Ist der Spuk vorbei?
Barsinghausen (köp). Das Schild „Hardcore Residenz“ ist schon seit Wochen von der Fassade des Hauses in der Steinklippenstraße verschwunden. Auf dem Hof steht ein Pkw, der offensichtlich schon lange nicht mehr bewegt wurde. Im Gebäude selbst ist auch nachts kein Licht zu sehen. Und Wolfgang Rothe, der im Internet als Geschäftsführer des Etablissements firmiert, ist telefonisch nicht zu erreichen.
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Vieles spricht dafür, dass für den Bordellbetrieb, der in den vergangenen Monaten für viel Aufregung in Barsinghausen gesorgt hatte, nun das endgültige Aus gekommen ist. Sicher ist das allerdings nicht. Zumindest der Stadtverwaltung lagen bis vor Kurzem noch keine entsprechenden Kenntnisse vor. „Wir überprüfen nicht regelmäßig, ob Gewerbe, die bei uns angemeldet sind, auch tatsächlich betrieben werden“, sagte Stadtrat Marc Lahmann.

Zum Stein des Anstoßes wurde der Bordellbetrieb im Dezember, als das Unternehmen nach einem Wechsel der Geschäftsführung von „Deister Ladies“ in „Hardcore Residenz“ umfirmierte und fortan im Internet unverblümt sogenannten „Flatrate-Sex“ anbot. Schmuddelige Details dessen, was sich hinter der ehrbaren Fassade des Hauses in der Steinklippenstraße abspielte, konnte man auch in einschlägigen Online-Foren nachlesen, in denen Freier ihre Erfahrungen mit Bordellbetrieben austauschen. Damals machten Barsinghäuser Bürger ihrem Unmut über die menschenverachtende Geschäftspraxis in einem offenen Brief Luft, und auch Stadtrat Lahmann erklärte: „Flatrate-Bordelle“ verletzen die Menschenwürde der dort arbeitenden Frauen.“ Eine juristische Handhabe gegen das Geschäftsmodell gab und gibt es allerdings nicht. Wenn überhaupt, dann ist solchen Betrieben nur über die Gewerbeaufsicht beizukommen. Dazu lieferte das Barsinghäuser Unternehmen jedoch keinen Anlass.

Bewegung kam in die Angelegenheit, als am 7. März im Zuge einer bundesweiten Polizeiaktion auch der Bordellbetrieb in Barsinghausen ins Visier von Fahndern geriet. Die Razzia, in deren Verlauf es in der Deisterstadt zu drei Festnahmen kam, war Teil einer internationalen Polizeiaktion unter Führung der Staatsanwaltschaft Stuttgart zur Zerschlagung eines Menschenhändlerrings. Hoffnungen, dass damit das Ende der Hardcore Residenz besiegelt sei, erwiesen sich allerdings schnell als falsch. Der Betrieb öffnete schon wenige Tage später unter neuer Geschäftsführung wieder seine Pforten. Auch, dass just am vergangenen Freitag ein erstes Urteil im Zusammenhang mit der damaligen Polizeiaktion gesprochen wurde, hat wohl nichts mit der neuen Entwicklung in Barsinghausen zu tun. Zwar muss die Geschäftsführerin der vier „Pussy-Clubs“ in Fellbach, Heidelberg, Wuppertal und Berlin, an denen sich die öffentliche Diskussion über den „Flatrate-Sex“ entzündet hatte, für drei Jahre wegen Sozialversicherungsbetrug ins Gefängnis. Der Vorwurf des Menschenhandels konnte jedoch nicht aufrechterhalten werden.

Wahrscheinlicher für das vermutliche Aus des Bordells in Barsinghausen ist mangelnder wirtschaftlicher Erfolg. Das mutmaßt zumindest ein Szenekenner, der unter dem Nickname „Puffgänger“ im Internet seine Erkenntnisse zum Besten gibt: „Wie sich der Laden bei diesen Eintrittspreisen längerfristig über Wasser halten will, ist mir völlig schleierhaft.“
Artikel vom 25.07.2010 - 23.00 Uhr Leserbrief schreiben

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