Barsinghausen
Der Staat zählt – auch in der DeisterstadtWer wohnt wo? Der Zensus 2011 soll die tatsächliche Anzahl der Bürger feststellen.
Barsinghausen (jhr/mc). Volkszählungen haben eine lange Tradition, und im kommenden Jahr müssen sich auch Barsinghäuser Bürger wieder darauf einstellen, genauer unter die Lupe genommen zu werden: In der Bundesrepublik Deutschland findet ein Zensus statt – und in der Verwaltung der Deisterstadt hat die Beschäftigung mit der Zählung begonnen.
Die letzte Zählung vor 23 Jahren war noch das Aufregerthema schlechthin. Bürgerinitiativen riefen zum Boykott auf, Protest gegen die Vorratsdatenspeicherung formierte sich. Musste 1987 aber noch jeder Einwohner Angaben zu seiner Person machen, wird diesmal nur ein Teil der Bevölkerung persönlich befragt – vielleicht ein Grund dafür, dass der öffentliche Widerstand bislang geringer ausfällt.
Der Großteil der Daten soll aus kommunalen Melderegistern sowie Registern der Bundesagentur für Arbeit und öffentlicher Arbeitgeber erhoben werden. Abgefragt werden Daten wie Alter, Geschlecht und Familienstand genauso wie Staatsangehörigkeit, Geburtsland, Wohnsitz und die Religionszugehörigkeit.
Für die stichprobenartige Befragung werden Interviewer im Mai 2011 an Türen in Barsinghausen klopfen. Diese „ehrenamtlichen Erhebungsbeauftragten“ werden von der Stadtverwaltung ausgewählt.
Peter Jülke, Fachdienstleiter für Ordnung und Gefahrenabwehr, geht davon aus, dass bis zu 100 Barsinghäuser Haushalte ausgewählt werden müssen: „Zu 85 oder 90 Prozent können wir auf vorhandene Daten zurückgreifen, bei den restlichen Prozenten werden dann stichprobenartig Befragungen durchgeführt.“
Zuständig für die Einrichtung einer zentralen Erhebungsstelle für alle Kommunen über 30 000 Einwohnern ist die Stadt selbst. Doch es gibt eine Möglichkeit, die Aufgaben an die Region zu übertragen: Es kann ein Vertrag zwischen der jeweiligen Kommune und der Region abgeschlossen werden. „Das ist vom finanziellen Aspekt her kostengünstiger und einfacher für uns“, sagt Jülke. Und dieser Umstand sorgt bei der Verwaltung für Erleichterung. Ende des Jahres soll der Vertrag auch zwischen der Stadt Barsinghausen und der Region unterzeichnet werden. Jülke ist optimistisch, dass dieses Vorhaben klappt.
Bei der Region wird die Erhebungsstelle zu Jahresbeginn 2011 ihre Arbeit aufnehmen, vorbereitende Arbeiten wie beispielsweise die Gewinnung der Interviewer stehen aber noch in diesem Jahr an.
Deutlich über dem Schnitt von Land und Bund liegt die Quote der zu erhebenden Stichproben: Sie beträgt nach Auskunft der Region 17,6 Prozent – landesweit liegt die Quote bei 10,3 Prozent, im Bund bei 9,6 Prozent. Begründet wird diese Verschiebung damit, dass in kleineren Gemeinden prozentual mehr Personen befragt werden als in Großstädten. Das Statistische Bundesamt erhofft sich viel vom „Zensus 2011“. So soll genau erfasst werden, wie viele Menschen in der Bundesrepublik Deutschland leben.
Erwartet wird bei der Wiesbadener Behörde, dass die momentane Schätzung von 81,8 Millionen um rund 1,3 Millionen zu hoch ist.