Kultur
Wie die Beatles einen Tapetenbrand auslöstenVon Uwe Janssen
Als die Beatles vor 50 Jahren in Hamburg ankamen, waren sie zu fünft. Zu Weltruhm kamen sie als Quartett. Wer war denn nun der fünfte?
Fest steht: Es gab mehr fünfte Beatles, als es Beatles gab. War es Stu Sutcliffe, der 1960 mit der Band in Hamburg andockte? Sutcliffe war ein guter Freund Lennons, aber kein guter Bassist. Oder war es Pete Best, der später von Ringo Starr abgelöst wurde? War es Klaus Voormann, der in Hamburg zum Freund der Band wurde und am Bass aushelfen musste, obwohl er noch schlechter spielte als Sutcliffe? Oder Astrid Kirchherr, die Fotografin, die ein Faible für schlechte Bassisten zu haben schien, als Freundin von Voormann zu Sutcliffe wechselte? War es Neil Aspinall, McCartneys Freund, der die Beatles zu ihren Gigs fuhr, der Tourmanager und später Geschäftsführer des Apple-Labels wurde? War es Brian Epstein, der die Beatles als Manager übernahm und durch hysterische Zeiten begleitete? Oder George Martin, der langjährige Produzent? War es gar Yoko Ono, der John Lennon verfallen war und die eher ungewollt Einfluss auf die Beatles hatte? Vorschlag: George Best. Der extravagante Kicker von Manchester United bekam 1965 nach einem Spiel in Lissabon von einer spanischen Zeitung den Titel „El Beatle“.
Kein Hype, kein Help, keine Hits: Was haben die Beatles 1960 in den Reeperbahn-Pinten „Indra“ oder „Kaiserkeller“ überhaupt gespielt?
Die Hits der damaligen Zeit: Die Beatles coverten Buddy Holly, Elvis, Chuck Berry, aber auch Larry Williams oder Ray Charles. Weil die Band bis zu acht Stunden pro Nacht auf der Bühne stand und das Repertoire nicht reichte, wurde gestreckt. Ray Charles’ „What I’d say“ beispielsweise dauerte schon mal bis zu einer Stunde.
Und die Pilzkopffrisur?
Wurde von Astrid Kirchherr vollzogen. Aber als deren Urheber gilt Klaus Vollmer, ein Fotograf, der frühe Bilder von den Beatles machte und sich die Haare nicht nach hinten kämmte, sondern in die Gegenrichtung. Anfangs wurde dieser Stil von John Lennon belächelt. Aber nicht lange. Bemerkenswert an Klaus Vollmer ist, dass er weder fünfter Beatle noch schlechter Bassist wurde, sondern Fotograf.
Wer verpetzte George Harrison?
Ironischerweise der Mann, der sie nach Hamburg geholt hatte. Die Kiezgröße Bruno Koschmider, Inhaber des „Indra“ und des „Kaiserkellers“, suchte in England Bands. Weil Truppen wie Gerry and the Pacemakers ausgebucht waren, buchte er die Silver Beatles: Lennon, McCartney, Best, Sutcliffe und den 17-jährigen Harrison. Mindestens vier Stunden spielten sie jeden Abend, für 25 bis 30 Mark pro Nacht und Nase. Logis im fensterlosen Raum im „Bambi Kino“. Als die Beatles in den „Kaiserkeller“ umzogen, wurden sie bekannter. Am liebsten wollten sie ins „Top Ten“, Koschmiders Konkurrenz. Dem früheren Zirkusartisten Koschmider ging der Hut hoch. Er schmiss die Beatles raus und steckte der Polizei, dass Harrison nicht volljährig war. Kurz darauf war der 17-Jährige auf dem Heimweg. Rhythmusgitarrist Lennon lernte angeblich in einer Nacht dessen Soloparts. Und das vergeblich, denn kurz vor dem Umzug ins „Top Ten“ geriet die Tapete in ihrem Schlafloch in Brand, nachdem McCartney und Best ein Kondom angezündet hatten. McCartney und Best mussten Deutschland verlassen.
Und wer löste nun die Bassfrage?
Stu Sutcliffe blieb als einziger Beatle in Hamburg und studierte Malerei. Linkshänder McCartney übernahm sein Instrument und spielte es einfach falsch herum, ohne die Saiten neu aufzuziehen. Als Harrison im Februar 1961 volljährig wurde, kamen die Beatles zurück nach Hamburg. Der Rest ist weltbekannt.