Kultur
Wenn das Showbiz auf die Verkündigung trifft Von Ernst August Wolf
Hameln. Bei manchen Konzerten steht nicht die Feinheit des Klanges, sondern das emotionale Gesamterlebnis im Vordergrund. So auch beim Gastspiel der New York Gospel Stars im Münster. Ein Jahr lang hatte das von Ruth Hegemann geleitete Kirchenmusik-Team sich um die von Bochum aus quer durch Deutschland tourende Gruppe bemüht. Mit Erfolg.
„Das ist die zweite große Deutschlandtour der New York Gospel Stars“, so deren Betreuer Jan Ten Cate. Innerhalb eines Vierteljahres absolvieren die vier Sängerinnen und fünf Sänger mit rund 80 Konzerten einen wahren Tournee-Marathon.
Im Münster war es das Verdienst des ebenso ausdrucks- wie stimmstarken musikalischen Leiters der „Stars“, Craig Wiggins, das gewöhnlich eher spröde Hamelner Publikum mit großem Nachdruck in die richtige Gospelstimmung zu versetzen.
Wechselgesang, Aufstehen und Mitklatschen, all das klappte blendend, im Gegensatz zur Tonmischung, die im ersten Teil des Abends auf den Hall im Kirchenraum nur unzureichend abgestimmt war. Das aber tat der Stimmung keinen Abbruch, beinhaltete das kraftvoll und sehr lebendig präsentierte Gospel-Medley doch alle Klassiker, von „Joy to the World“ bis „Don’t pass me by“.
Deutlich stärker dagegen der zweite Set, in dem sich die Mitglieder der „Stars“ als exzellente Solo-Sänger präsentierten. Vor allem Matia Celeste Washington, Jonathan Victorian und die mollige Alison Hill Mitchell rissen die Besucher immer wieder zu Begeisterungsstürmen hin. „Wir wollen die Menschen mit Liebe erreichen und ihre Herzen berühren“, so Alison Hill. Sie komme vom „Greater Highway Deliverance Temple“ aus New York und singe wie ihre Kollegen aus tiefster religiöser Überzeugung. Das bestätigt auch der 24-jährige, aus Ohio stammende Jonathan Victorian. „Gospel heißt gute Nachricht. Die wollen wir verbreiten“, so der TV-erfahrene Sänger und Schauspieler. Craig Wiggins habe die Truppe studierter Sänger vor zwei Jahren zusammengebracht. „Wir alle haben einen unterschiedlichen religiösen Hintergrund, einige sind apostolisch, Baptisten, die meisten aber Angehörige der Pfingstkirche“, erklärt er. Natürlich aber habe alles auch einen kommerziellen Hintergrund, fügt er an. Dass Showbiz und Verkündigung kein Widerspruch, sondern eine reizvolle Ergänzung sein können, haben die „Stars“ an diesem Abend im Münster lautstark und eindrucksvoll bewiesen.