Kultur

Streckenweise nur vor sich hingedümpelt
Von Andrea Gerstenberg

Wenig Spannung, aber gute Unterhaltung. Foto: Theater

Hameln. Geld, Macht, Liebe, dazu eine Prise skurriler englischer Humor und natürlich gruselige Spannung, daraus strickte seinerzeit Edgar Wallace seine Klassiker. Der Inszenierung des Stückes „Der schwarze Abt“, mit dem Imperial Theater Hamburg im Hamelner Theater, fehlten am Donnerstagabend leider das Gruselige und auch ein wenig die Spannung. Nun ist es zugegebener Weise schwer, so eine grandios passende Kulisse, wie seinerzeit Schloss Hastenbeck für die Verfilmung „Der unheimliche Mönch“ auf die Bühne zu bringen, aber das glich Regisseur Frank Thannhäuser mit dem Überraschungseffekt im zweiten Akt, wo ein komplettes Bühnenbild hinter der Kulisse des Salons zum Vorschein kam, reizvoll aus. Dass nicht so recht fesselnde Spannung aufkam, war da schon schmerzlicher. Das Stück dümpelte streckenweise vor sich hin und die Identität des schwarzen Abtes war schon nach der Pause gelüftet.

Wer aus Nostalgiegründen ein paar mehr Leichen erwartete hatte, wurde ebenfalls enttäuscht. Sind im Original, mit der geldgierigen Mary Wenner, dem glücklosen Spieler Arthur Gine und dem unscheinbaren, aber gewitzten Fabian Gilder, gleich drei Hauptfiguren zu beklagen, lässt Frank Thannhäuser in seiner sehr freien Bühnenfassung lediglich den Butler im Verlauf des Stückes durch die Hand des neurotischen Muttersöhnchens Lord Chelford, nach Anweisung seiner Mutter aus dem Jenseits, zu Boden strecken. Aber der verdeckt ermittelnde Inspektor Puddler von Scottland Yard ist ja auch ohne seinen Assistenten Horatio auf den Landsitz nach Fossaway gereist.

Hauptfigur ist Lord Chelfords jüngerer Bruder Richard Alford, der smart und mit Übersicht alle Fäden in der Hand hält und am Schluss den strahlenden Helden gibt. Sönke Städtler ist auch der überzeugendste Darsteller der Inszenierung. Ein weiterer Lichtblick der Auftritt von Janis Zaurins als Fabian Gilder.

Die Hamelner nahmen es gelassen. Kein unvergesslicher Theaterabend, aber gute Unterhaltung.

Artikel vom 05.03.2010 - 23.00 Uhr Leserbrief schreiben
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