Kultur
Kleine Gemeinde mit viel KulturVon Karla Langehein
Stadtoldendorf. Mit knapp 5800 Einwohnern und einer hübschen kleinen Altstadt ist Stadtoldendorf der Mittelpunkt der Samtgemeinde gleichen Namens. Es lohnt sich, dort einmal hinzufahren – auf dem Marktplatz einen Kaffee oder ein Eis zu genießen und, falls der Besuch auf einen zweiten Samstag im Monat fällt, im kleinen Alten Rathaus neben der Kirche eine Ausstellung anzuschauen und ein Konzert zu hören. Seit dem Jahre 2002 ist auch dort die Konzertreihe „Weltklassik am Klavier“ zu Hause und bietet jungen Pianisten, die am Beginn ihrer Karriere stehen, Gelegenheit, ihre Kunst zu zeigen.
Ausgefeilte Technik
Dass er inzwischen mit dem Titel „Tastentiger“ belegt wird, hört Haiou Zhang vielleicht gar nicht so gerne; er selbst meinte einmal, man könne ihn auch als den „deutschen Lang-Lang“ bezeichnen. Wer Zhang in den letzten Jahren mehrfach hörte, weiß, dass der mittlerweile 25-jährige Chinese über eine ausgefeilte Technik verfügt und einen Programmzuschnitt bevorzugt, in dessen erstem, kürzeren Teil zwei Klassiker erklingen, während der längere zweite Konzertabschnitt der Virtuosität gewidmet ist.
So begann das Konzert auch in Stadtoldendorf mit Mozarts Sonate F-Dur KV 332. Zhang spielte den Kopfsatz ohne die zur Form gehörende Wiederholung der Exposition und mit extrem deutlichen Akzenten. Den Finalsatz präsentierte er schon mal als Vorgeschmack auf die ihm zur Verfügung stehende Prestissimo-Geläufigkeit.
Den Kopfsatz von Beethovens Mondscheinsonate spielte Zhang mit großer Ruhe aus. In den beiden Folgesätzen hätte man wohl auch schon gerne solche Nuancen in Dynamik und Anschlagstechnik gehört, wie Zhang sie beispielsweise in Liszts Petrarca Sonett Nr. 123, in Consolation Nr. 3 und in „Les Jeux d’Eaux à la Villa d’Este“ aufblitzen ließ. Für den langanhaltenden freundlichen Beifall dankte Zhang mit einer Eigenkomposition.
Die derzeitige Ausstellung zeigt Werke des Objektkünstlers Claus Caninenberg. Collagen aus geschnittenem oder gewachsenem Holz oder metallischen Bestandteilen ausgedienter Apparaturen: eine ebenso charmante wie stilvolle Resteverwertung. Manche der Objekte sind mit geometrischen Formen streng abstrakt, andere drücken Bewegung aus und regen die Fantasie an.
Am Samstag, 12. September, wird die Reihe um 17.15 Uhr fortgesetzt mit Werken von Beethoven, Schubert und Schumann, gespielt von Gesa Lücker
Studiert an der Hochschule für Musik und Theater Hannover: Haiou Zhang.
Foto: lgh