Kultur

„Das ist Fernsehen“ – und die Bühne ist 500 Quadratmeter groß
Von Lukas Stock

David Hasselhoff und Gina-Lisa Lohfink (rechts) sitzen für ein Interview bei Moderatorin Johanna Klum auf dem Sofa. Fotos: RTL2 Presse

Hannover. Als Gewinner der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ wird Mehrzad Marashi zunächst groß gefeiert. Dann muss er seine Tournee absagen. Weshalb? Weil die Hallen zu groß und die Fanmassen zu klein sind. Es lassen sich nicht genügend Tickets dafür verkaufen. Nun also versucht sich Mehrzad Marashi als Moderator. Bei „The Dome 55“, das in Hannover Tausende Fans in die TUI-Arena lockte, gibt er sein Debüt.

Um ihn herum: Gekreische, Jubel und unzählige Plakate. Die Hysterie der Fans kennt bei „The Dome“ keine Grenzen. Zum bereits vierten Mal begeistern nationale und internationale Künstler bei Deutschlands größtem Live-Event. Vor der Bühne geht für viele ein Traum in Erfüllung: Sie können ihre Stars hautnah erleben.

Als Erster aber betritt Mehrzad Marashi an diesem Abend die Bühne. Mit einem ergreifenden Song für die Opfer der Loveparade überrascht der die Besucher. Dann geht’s weiter mit einem gigantischen Live-Act: Das norwegische Duo Madcon spielt seinen „Eurovision“-Hit „Glow“. Der Saal tobt. Auch Yolanda Be Cool versetzen mit ihrem Nummer-Eins-Hit „We no speak Americano“ die Massen in Ausnahmezustand. Weitere Künstler folgen, darunter viele Newcomer. Die US-Sängerin Emily Osment stellt ihre erste Single „Let’s be friends“ vor. Auch The Wanted und Sängerin Charlee aus Österreich kommen beim Publikum gut an. Zwischenzeitlich gibt es zahlreiche Interviews mit Künstlern und Gästen. Das ist mit Versprechern oder Tonfehlern manchmal ganz schön holprig. Auch Mehrzad Marashi merkte schnell: „Das ist Fernsehen!“ Und das gehört zu einer so großen TV-Musikshow.

Vieles ist inszeniert. Aber einige Künstler, die auf der Bühne stehen, singen live. So wie die Dänin Aura Dione, die ihren neuen Song „Something from nothing“ mit Gitarre anstimmt. Luxuslärm rocken das Publikum wieder auf deutsch. Plan B überzeugt musikalisch mit seinem Hit „She said“. Doch es gibt auch diejenigen, die gerne auf Nummer sicher gehen – und das Playback bevorzugen. Gina-Lisa Lohfink oder Daniela Katzenberger zum Beispiel. Dass es dabei wichtig ist, einigermaßen sympathisch rüberzukommen, können die beiden D-Promis noch lernen. Beim „Duell der Blondierten“ erntet Gina-Lisa Lohfink, einstige Kandidatin aus „Germany’s next Topmodel“, so manchen Buhruf. Ganz anders dagegen das „Goodbye-Deutschland“-Sternchen Daniela Katzenberger: Mit ihrem Gesangsdebüt „Nothing’s gonna stop me now“, einer Coverversion von Samantha Fox, steht sie erstmals vor großem Publikum. Die kesse Pfälzerin, die sonst nicht auf den Mund gefallen ist, macht zwar auf der Bühne einen charmanten Eindruck. Aber große Sängerqualitäten hat sie nicht.

Ausgegraben für die Show hat man auch David Hasselhoff. Zusammen mit zwei Damen im roten Baywatch-Badeanzug kündigt er seine beiden Töchter an. Gesanglich möchten sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten. Dessen Hymne „Looking for freedom“ darf an diesem Abend natürlich nicht fehlen.

Für höher schlagende Fan-Herzen sorgt noch der britische Sänger Taio Cruz mit „Dynamite“. Und Jason Derulo („Ridin’ solo“), der zusammen mit Monrose den krönenden Abschluss bildet, sorgt für Kreischalarm. Eins ist schnell klar: Ohne kreischende Fans geht bei „The Dome“ gar nichts.

Und Mehrzad Marashi? Neben seiner charmanten Kollegin Johanna Klum versuchte der singende Moderator, so souverän wie möglich zu wirken. Vielleicht klappt’s ja…?

Artikel vom 30.08.2010 - 16.19 Uhr Leserbrief schreiben
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